Bußgeldkatalog 2027: Welche Strafen bleiben und was ist neu?

Änderungen Veröffentlicht am 06.11.2026 von Yves Junker LL.M., Fachanwalt für Verkehrsrecht

Stand November 2026 gibt es keinen neuen Bußgeldkatalog für 2027, die bekannten Regelsätze gelten weiter. Diskutiert werden aber höhere Strafen für Handyverstöße, ein höheres Verwarnungsgeld und mehr. Der Überblick mit allen festen Terminen.

Bußgeldkatalog 2027: Welche Strafen bleiben und was ist neu?

Gibt es 2027 einen neuen Bußgeldkatalog?

Nein. Stand 6. November 2026 ist keine Reform des Bußgeldkatalogs für 2027 beschlossen. Die Regelsätze für Geschwindigkeit, Abstand, Rotlicht oder Handy beruhen weiterhin auf der großen Reform vom 9. November 2021.

Zuletzt geändert wurde die Bußgeldkatalog-Verordnung im August 2026 (BGBl. 2026 I Nr. 236). Diese Änderung betraf vor allem Regeln für Fahrerlaubnis und Berufskraftfahrer, etwa einzelne Tatbestände rund um Auflagen. Die bekannten Bußgelder für Autofahrer blieben unverändert.

Neue Bußgelder kann das Bundesverkehrsministerium nur per Verordnung mit Zustimmung des Bundesrates einführen. Bis eine solche Änderung in Kraft tritt, gelten die bisherigen Sätze.

Diese Strafen bleiben 2027

Die wichtigsten Regelsätze für Pkw im Überblick:

VerstoßFolgen
21 bis 25 km/h zu schnell innerorts115 €, 1 Punkt
31 bis 40 km/h zu schnell innerorts260 €, 2 Punkte, 1 Monat Fahrverbot
21 bis 25 km/h zu schnell außerorts100 €, 1 Punkt
41 bis 50 km/h zu schnell außerorts320 €, 2 Punkte, 1 Monat Fahrverbot
Rote Ampel, unter 1 Sekunde Rot90 €, 1 Punkt
Rote Ampel, über 1 Sekunde Rot200 €, 2 Punkte, 1 Monat Fahrverbot
Handy am Steuer100 €, 1 Punkt
Abstand nicht eingehaltenab 75 €, 1 Punkt
0,5-Promillegrenze, erster Verstoß500 €, 2 Punkte, 1 Monat Fahrverbot
Keine Rettungsgasse gebildet200 €, 2 Punkte, 1 Monat Fahrverbot

Dazu kommen bei einem Bußgeldbescheid Gebühren und Auslagen von in der Regel mindestens 28,50 Euro. Verwarnungsgelder für leichte Verstöße wie Falschparken reichen weiterhin bis 55 Euro. Alle Werte finden Sie in unserem Bußgeldkatalog.

Was wird für 2027 diskutiert?

Höhere Strafen für Handy am Steuer

Der 64. Deutsche Verkehrsgerichtstag hat im Januar 2026 empfohlen, Handyverstöße am Steuer mit zwei statt einem Punkt zu ahnden und das Bußgeld auf 250 Euro anzuheben, bei Gefährdung auf 500 Euro und bei Sachbeschädigung auf 750 Euro. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat fordert mindestens 500 Euro. Zugleich will Bundesverkehrsminister Steffen Bilger Handy-Blitzer bundesweit ermöglichen. Mehr dazu im Beitrag Handy-Blitzer Monocam.

Verwarnungsgeld und Halterkosten

Auf der Innenministerkonferenz im Juni 2026 hat Hamburg beantragt, die Obergrenze für Verwarnungsgelder von 55 auf 70 Euro anzuheben. Außerdem soll die Kostenpauschale für Halter, wenn bei einem Parkverstoß der Fahrer nicht ermittelt werden kann, von 23,50 auf 45 Euro steigen. Konkrete Änderungen wurden nicht beschlossen, die Bundesregierung soll prüfen, wie der Bußgeldkatalog weiterentwickelt werden kann.

Schutz von Straßenbrücken

Mehrere Länder setzen sich im Bundesrat für höhere Strafen ein, wenn Lkw Gewichtsbeschränkungen auf Brücken überschreiten (Bundesrat-Drucksache 108/26). Für Pkw-Fahrer hat das keine unmittelbaren Folgen.

Alkohol auf dem Fahrrad

Der Verkehrsgerichtstag empfiehlt außerdem, das Fahren mit Fahrrad oder Pedelec ab 1,1 Promille als Ordnungswidrigkeit zu ahnden. Bisher gibt es für Radfahrer keine solche Bußgeldgrenze, strafbar wird es ohne Ausfallerscheinungen erst ab 1,6 Promille.

Feste Termine 2027 für Autofahrer

  • 19. Januar 2027: Kartenführerscheine, die von 2002 bis 2004 ausgestellt wurden, müssen umgetauscht sein. Wer die Frist verpasst, behält seine Fahrerlaubnis, riskiert aber ein Verwarnungsgeld. Die weiteren Fristen stehen im Beitrag Änderungen für Autofahrer 2026.
  • 29. November 2027: Die Abgasnorm Euro 7 gilt dann für alle neu zugelassenen Pkw und leichten Nutzfahrzeuge. Für neue Fahrzeugtypen gilt sie bereits ab 29. November 2026.
  • EU-Führerscheinrichtlinie: Die neuen EU-Regeln gelten seit 25. November 2025, die Mitgliedstaaten haben aber bis 2028 Zeit zur Umsetzung. Begleitetes Fahren ab 17 in der ganzen EU, der digitale Führerschein und die gegenseitige Anerkennung von Fahrverboten kommen deshalb erst in den Folgejahren.

Welcher Bußgeldkatalog gilt für meinen Verstoß?

Maßgeblich ist grundsätzlich das Recht, das zur Zeit der Tat galt. Ändert sich das Gesetz bis zur Entscheidung, ist nach § 4 Abs. 3 OWiG das mildeste Gesetz anzuwenden. Wer 2026 geblitzt wurde, muss also auch bei einer späteren Verschärfung keine höheren Strafen fürchten.

Quellen

Häufige Fragen zum Bußgeldkatalog 2027

Wird der Bußgeldkatalog 2027 teurer?

Stand November 2026 ist keine Erhöhung beschlossen. Diskutiert werden vor allem höhere Strafen für Handyverstöße und ein höheres Verwarnungsgeld bis 70 Euro.

Gibt es 2027 zwei Punkte für Handy am Steuer?

Das ist offen. Zwei Punkte werden unter anderem vom Verkehrsgerichtstag empfohlen. Solange die Fahrerlaubnis-Verordnung nicht geändert ist, bleibt es bei einem Punkt.

Wann tritt ein neuer Bußgeldkatalog in Kraft?

Erst wenn das Bundesverkehrsministerium eine Änderungsverordnung erlassen, der Bundesrat zugestimmt hat und die Verordnung im Bundesgesetzblatt verkündet ist. Dazwischen liegen in der Regel mehrere Monate.

Wo finde ich die aktuellen Bußgelder?

In unserem Bußgeldkatalog mit allen Tabellen zu Geschwindigkeit, Abstand, Rotlicht und Handy am Steuer.